Reisebericht Dezember 2011

Liebe Freunde,

Nachdem nunmehr fast ein Jahr seit dem offiziellen Ende des Vereins Pro Lanka  vergangen ist, möchte ich das kommende Jahresende und das vor der Tür stehende Weihnachtsfest zum Anlass nehmen, Euch über meine diesjährigen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Hilfe für Sri Lanka zu informieren.

Aufgrund Eurer Spendenbereitschaft haben wir 2011 alle zusammen 7050 Euro gesammelt. Das Geld ist  inzwischen vollständig dem beabsichtigten Zweck zugeführt worden.
Am 30. November bin ich  in Gesellschaft von Reinhard Hübner, einem Freund und Unterstützer unserer gemeinsamen Sache, für 9 Tage nach Sri Lanka gereist. Wie immer, haben wir bei Shashika und ihrer Familie eine freundliche Aufnahme und Unterstützung gefunden.

Im Landesinneren, einer Regenwaldlandschaft bei Ratnapura,

Im Landesinneren, einer Regenwaldlandschaft bei Ratnapura, wo die Menschen mehr schlecht als recht vom Anzapfen der Gummibäume und dem Pflücken von Teeblättern leben,  betreuen wir insgesamt 6 Schulkinder, die nur von ihren Müttern großgezogen werden. Diese verdienen zu wenig für Schuhe, Schulhefte und Fahrgeld für den Bus. Ohne unsere Hilfe wären diese Kinder gezwungen, zuhause zu bleiben, während ihre Freunde zur Schule gehen.

Für eine alleinerziehende Mutter mit 2 Töchtern haben wir das Haus, oder besser gesagt, die Hütte, in der sie derzeit noch zur Miete wohnt, gekauft. Dadurch ist der Vermieter, bei dem sie die Miete durch (Sklaven-) arbeit abzahlen muss, in Zukunft gezwungen, ihr den Lohn auszuzahlen, so dass die Familie ein regelmäßiges Einkommen hat.

Wir haben eine zweite Familie mit 2 behinderten 9- jährigen Kindern besucht. Einer der beiden Jungen ist taub und kann deswegen auch nicht sprechen. Durch Eure Hilfe wird er ärztlich mit dem Ziel eines Hörgerätes untersucht und behandelt werden.
Der andere Junge ist körperlich stark behindert und bekommt dank Eurer Hilfe einen speziell für ihn angepassten Stuhl.

Im Tempel des Walddorfes haben wir einen jungen Mönch besucht. Er betreut jeden Sonntag die Dorfkinder. Da es an allem fehlt, sorgen wir für Sitzbänke, 2 Wandtafeln und Schreibwaren.

Im Juli wandte sich  eine verzweifelte Mutter mit ihrer 18 Monate alten herzkranken Tochter an Shashika. Die Familie ist sehr arm.  Der Vater arbeitet als Reisbauer im Landesinneren. Die Familie wohnt in einer einfachen Holzhütte. Sie waren aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, die dringend notwendige Herzoperation zu bezahlen.
Am 7. Juli wurde Heshani dank Eurer Spenden operiert. Es geht ihr inzwischen sehr gut.

Für einen 8- jährigen körperlich behinderten Jungen haben wir von  Euren Spendengeldern einen Rollstuhl gekauft. Auch haben wir für die Familie Matratzen und Pflegemittel, wie Windeln, Trinkflaschen und Milchpulver, besorgt.

In der Gegend von Alutgama an der Westküste haben wir eine alleinerziehende junge Mutter mit ihrer 14 Monate alten Tochter besucht. Die Beiden leben in unmenschlichen Umständen und das kleine Mädchen ist außerdem blind und hat einen Herzfehler. Die Mutter arbeitet praktisch als Lohnsklavin und hat nicht genug Geld für Essen und Trinken, geschweige denn, dass Sie Ihrem Kind helfen kann.

Shashika

Shashika bekommt im März ihr zweites Kind. Sie arbeitet derzeit und geht daneben zur Schule, um ihr Abitur nachholen.  Sie braucht daher ihrerseits Unterstützung. Mithilfe Eurer Spenden will sie dieser Mutter eine Chance auf eine bessere Zukunft geben und sie zu angemessenem Lohn als Haushaltshilfe einstellen. Ob wir gesundheitsmäßig etwas für ihre Tochter tun können ist noch nicht klar. Die Kleine ist in ihrer Entwicklung stark zurückgeblieben. Wir beobachten sie und werden vielleicht später etwas unter- nehmen.

Schließlich habe ich in Shashikas Dorf in einem Krankenhaus vor  40 schwangeren Frauen einen Vortrag über Schwangerschaft und Geburt gehalten. Ich war dazu in der Lage, denn ich habe als Krankenschwester viele Jahre im Kreissaal gearbeitet.  Ein Arzt hat für mich übersetzt. Zudem haben sie einen Prospekt mit Ratschlägen für die junge Familie zusammengestellt. Wir haben diesen Prospekt finanziert. Bei dieser Gelegenheit habe ich das erste Exemplar offiziell übergeben.
Nach dem Vortrag haben der Arzt, die Hebammen und ich uns noch unterhalten. Als nächsten Schritt wollen sie eine Rückbildungsgymnastik anbieten. Ich bleibe in Kontakt mit dem Krankenhaus.

Zurück in Deutschland

Jetzt wo ich wieder zuhause angekommen bin, bewegen mich ganz viele gemischte Gefühle; einerseits bin ich traurig, weil unsere Hände gebunden sind und wir nur sehr  beschränkt helfen können, anderer-seits bin ich glücklich, mit eurer Hilfe überhaupt etwas tun zu können.
Ich bin glücklich, eine Familie zu haben, in der ich mich geborgen fühle. Ich bin betrübt, weil ich nicht verstehe, warum Menschen so ein schreckliches Schicksal erleben müssen. Sie haben nicht nur Krankheiten zu akzeptieren oder den Tod eines geliebten Angehörigen; vielmehr ist ihr Leben zudem einsam und hoffnungslos. Sie haben immer Hunger und Angst. Sie würden am liebsten nicht mehr leben; nur ihre Kinder veranlassen sie,  zu kämpfen.

Viel Leid, Not und Elend haben wir gesehen. Mütter haben geweint, während sie uns ihre Geschichte geschildert haben. Diese Erinnerungen bleiben bei mir. Ich werde mich nie daran gewöhnen.
Sie geben mir aber auch die Energie, weiter für diese Menschen zu kämpfen.
 Für eure Unterstützung bin ich sehr dankbar und hoffe darauf auch in der Zukunft.

Ich wünsche ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für 2012.

Liebe Grüsse

Carla Hermens

Reinhard Hübner

Ich habe Carla zum ersten Mal nach Sri Lanka begleitet und kann Ihre Darstellung der Situationen, in denen die armen Menschen dort leben müssen, nur bestätigen. Auch ich war von der Not und dem Elend dieser zum Teil schwer kranken Menschen geradezu entsetzt. Die Bilder der verkrüppelten Kinder, auf bloßem Boden in elenden Hütten ohne Fenster und Türen und teilweise ohne Strom und Wasser, verfolgen mich noch jetzt. Ich jedenfalls werde Carla bei Ihrer Hilfe, für die man Ihr gar nicht genug danken kann, weiter unterstützen.

Ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Ihnen

Reinhard Hübner